Okras Werkstatt

Gestreifte Schale aus drei verschiedenen Hölzern

Aus einem meiner letzten Projekte – dem gemusterten Schneidebrett – hatte ich noch diverse Streifen Holz übrig. Mein erster Plan war, daraus auch ein Schneidebrett für mich zu erstellen, aber dafür reichte der Holzvorrat dann leider doch nicht mehr aus – aber aus sauber geschnittenen Streifen lässt sich ein schönes Brett zaubern – und aus einem Brett kann man wunderschöne Schalen basteln. Gedacht – getan. Ich wollte schon seit längerer Zeit eine kleine Obstschale für mein Büro basteln, das war nun die Gelegenheit.

Nach Sichtung der vorhandenen Streifen habe ich mich für folgende symmetrische Anordnung entschieden.



Das helle Holz ist natürlich Ahorn, das dunkle Braun sind Streifen aus Walnuss und die beiden lilafarbenen Streifen sind aus Amaranth, auch Purple Heart genannt. Dieses Holz ist wunderschön, allerdings sehr sehr hart und schwer zu sägen. Die Streifen waren unterschiedlich hoch aber nur in eine Richtung, ich habe sie also so geleimt, dass die gleich hohen Seiten aneinander gesetzt wurden.


Alle Streifen habe ich gleichmäßig mit Holzleim – ich benutze Ponal meistens in der wasserfesten Version (blau) – bestrichen, in die langen Bessy-Klemmen eingelegt und festgeschraubt. Dabei muss man darauf achten, dass das so entstehende Brett sich nicht wölbt oder einzelne Streifen nach oben rutschen.


Nach einiger Trocknungszeit – ich glaube bei mir war mindestens eine Woche dazwischen 😉 – habe ich das Brett aus den Klemmen befreit. Der überschüssige Kleber musste nun noch entfernt werden und kleine Unebenheiten ausgeglichen werden, darum haben Markus und ich das Brett von beiden Seiten – ohne Fotos zu machen, denn das hab ich ja schon öfter gezeigt – durch den Dickenhobel geschoben. Als alles schön glatt war, waren auch die dunklen Verfärbungen vom Sägen mit weggehobelt.

Für diese Schale hatte ich mir ein ganz einfaches Design gezeichnet, einfach ein Quadrat mit abgerundeten Ecken. Mit dem Affinity Designer geht das ganz einfach. Ich hatte beschlossen, 4 Ringe zu sägen, so dass ich insgesamt 5 Quadrate gebraucht habe, die jeweils um 2 cm kleiner wurden. 2cm bedeutet, ein Ring ist immer 1cm breit.

Das Muster habe ich ausgedruckt und haargenau mittig aufgeklebt, damit die Schale an den beiden Längsseiten auch mit genau dem gleich breiten Streifen aufhört und nicht auf einer Seite der äußere Streifen dünner ist als auf der anderen Seite.

Wie immer bei solchen Schalen habe ich die Dekupiersäge verwendet, den Sägearm schräg nach rechts gestellt (bei anderen Sägen stellt man stattdessen den Tisch schräg nach links unten) und im Uhrzeigersinn ausgesägt. Ganz wichtig ist, dass die Startlöcher in genau dem gleichen Winkel wie die Säge zu bohren sind.

Und wie ermittelt man den Sägewinkel, damit die ausgesägten Ringe auch exakt aufeinander passen? Ich zeig euch das an einem Foto von einer anderen Schale.

Der Winkel ist abhängig von zwei Parametern, zum einen die Dicke des Brettes und dann die Breite der Ringe, die man sägt (bei mir 1cm). Man zeichnet dann am besten zwei Linien senkrecht in genau der Breite der Ringe auf die Seite des Brettes, das man sägen möchte. Und dann stellt man den Tisch oder Sägearm so ein, dass das Sägeblatt von links unten nach rechts oben geht.

Das Sägen war wie erwartet ziemlich schwierig. Schräg sägen ist immer eine kleine Herausforderung für mich, und wenn dann so unterschiedlich harte Hölzer aufeinander treffen, muss man sehr vorsichtig zu Werke gehen. Besonders das Purple Heart lässt sich nur sehr schwer sägen, dafür ist es aber auch von besonderer Schönheit.

Alle 4 Ringe sind fertig ausgesägt und das Setzen der Startlöcher ist mir relativ gut gelungen. Damit ich genug Raum zum Schleifen habe, hatte ich ja die Dicke der Ringe auf 1cm festgelegt.

Mit den 5 Teilen geht es jetzt zum Leimen und Schleifen in die Werkstatt. Auf dem Bild seht ihr ein zweites Werk, das zeitgleich entstanden ist und im Prinzip nach der gleichen Art aus einem Brett gesägt wurde.

Das weitere Vorgehen ist folgendermaßen. Zuerst wird natürlich das Papier mit dem Muster abgezogen, das noch auf den Ringen und dem Boden klebt. Die Ringe entgrate ich dann ganz leicht, damit sie sich gut übereinander gesetzt leimen lassen. Dann leime ich zuerst nur die Ringe zusammen, den Boden lasse ich noch weg.

Wichtig ist hier, dass zum einen die Richtung stimmt und natürlich, dass die Streifen möglichst exakt aufeinander gesetzt werden. Da sich beim Leimen die Holzstücke gern etwas verschieben, ist das etwas kniffelig. Ich leime immer erst mal zwei Ringe zusammen, drücke sie von Hand ein paar Minuten zusammen und beschwere sie dann erst mit einem Gewicht zum endgültigen Festwerden. So mache ich das mit allen 4 Ringen.

Auch hier benutze ich wieder Ponal Holzleim, den ich dünn und gleichmäßig auf die Oberseite des Ringes verteile.

Nachdem alles gründlich getrocknet ist, beginne ich mit dem Schleifen der Innenseite. Außen zu schleifen lohnt sich noch nicht, weil der Boden ja noch nicht angeleimt ist. Für die geraden Innenseiten und besonders die Stellen mit dem Purple Heart verwende ich eine kleine Eletrofeile. Die abgerundeten Ecken kann ich wunderbar mit dem Kirjes Schleifsystem glätten. Besonders wichtig ist natürlich, die Spuren der Startlöcher zu beseitigen. An diesen Stellen muss ich bestimmt 2mm Material abtragen, und damit die Ringe an allen Seiten gleichmäßig breit sind, wird auf allen Seiten so viel weggeschliffen.

Durch die abgerundeten Ecken ergibt sich optisch der Schwung aus dem Walnussholz. Die Innenseiten sind sehr schön glatt geworden und nun kann der Boden aufgeleimt werden.

Auch hier achte ich darauf, dass zum einen die Richtung stimmt, so dass sich die Holzmaserung fortsetzt und natürlich dass die Streifen exakt aufeinander liegen. So soll es also aussehen, wenn es geleimt ist.

Nach der Trocknungszeit muss nun die Außenseite ebenfalls glatt geschliffen werden. Ich benutze auch hier wieder unterschiedliche Werkzeuge. Die Schale klemme ich in einen kleinen Schraubstock und arbeite mich dann Seite für Seite vor. Wichtig ist auch, dass die Ecken gleichmäßig abgerundet werden. Wie man auf dem Bild sieht, ist der Überstand gerade an den Ecken zum Teil recht groß.

Die groben Stellen bearbeite ich hauptsächlich mit der Elektrofeile, der Feinschliff passiert dann mit dem Kirjes Schleifsystem und den verschiedenen Aufsätzen – aber viel mache ich auch einfach von Hand mit Schleifpapier in unterschiedlicher Stärke bis hin zur Stahlwolle.

Um die Oberfläche zu schützen und die unterschiedlichen Farben besonders zu betonen, bekommt die Schale ganz am Ende noch eine Schicht aus Schellack. Und dann ist sie fertig und eigentlich bereit dafür, in mein Büro einzuziehen.

Ich hab nur nicht bedacht, dass eine solche Schönheit auch Markus gut gefällt – er hat mich also so lange bearbeitet, bis ich bereit war, sie wieder mit nach Hause zu bringen und ihm zu schenken, auf dass sie für immer bei uns bleibt 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.