Okras Werkstatt

Scroll Saw Basket – ein Körbchen mit der Dekupiersäge

Die Dekupiersäge ist der letzte Neuzugang in unserer Werkstatt. Für feine Sägearbeiten ist sie genau das richtige Werkzeug. Gegenüber der Bandsäge hat sie noch einen weiteren Vorteil. Man kann das Sägeband quasi in das Werkstück einfädeln, so dass man zum Beispiel Ringe sägen kann, ohne die später wieder zusammenkleben zu müssen.

Aber auch der Umgang mit dieser Säge muss gelernt sein. Lernen tut man am besten an konkreten Beispielen und so hab ich mit einem einfachen Stück angefangen, einem sogenannten Scroll Saw Basket. Wenn man in Google nach genau diesem Begriff sucht, findet man sehr schnell das Muster, das ich für dieses Körbchen verwendet habe.

Es ist ein kleines Körbchen und weil es klein ist, habe ich es auch aus dünnem Holz gebastelt, um seine Filigranität zu unterstützen. Ich habe Buchen-Sperrholz verwendet, ein Holz, das sich relativ leicht sägen lässt. Genau richtig, um das Sägen mit der Dekupiersäge zu lernen.

Mit der Bandsäge habe ich mir ein passendes Stück Sperrholz zurechtgesägt und das grob ausgeschnittene Muster aufgeklebt. Mit Sprühkleber funktioniert das ganz gut. Ein kleiner Trick, den ich aber erst wenige Tage später gelernt habe: Das aufgeklebte Papier lässt sich leicht entfernen, wenn man das Holz zunächst mit Tesa Krepp beklebt und dann erst mit dem Sprühkleber das Muster befestigt.

DSC09146
Und jetzt der Vorteil der Dekupiersäge: Ich muss für jede Runde nur ein kleines Loch bohren und kann dort das Sägeblatt einfädeln. Ich verwende für meine erste Sägearbeit ein Blatt in der Stärke 5, dafür muss ich Löcher mit dem 2er Bohrer setzen.

DSC09148
Die erste Runde benötigt natürlich kein Loch, weil ich da von außen rankomme. Ja, und dann gehts ans Sägen. Die ersten Schritte sind die schwersten, das ist ja meistens so. Irgendwann gehen die Abläufe dann ins Blut über, aber die Koordination der Hände ist anfangs schwierig. Folgendes ist zu beachten. Das Werkstück muss man fest auf den Tisch drücken, damit es nicht vibriert und zwar vor und hinter dem Sägeblatt. Für die Kurven muss das Werkstück langsam gedreht werden und dann muss man auch noch etwas Vorschub geben. Fest runterdrücken und dabei nur langsam vorschieben – alles nicht so einfach. Am Anfang war ich versucht, ständig für die Drehung das Holz seitlich gegen das Sägeblatt zu drücken, das ist aber grundfalsch. Locker das Werkstück drehen, darauf kommts an.

DSC09152 DSC09154
Runde für Runde drehe ich mit dem Werkstück um das Sägeblatt drumherum. Anfangs fällt es mir noch schwer zu entscheiden, wann ich die Richtung wechseln muss. Aber nach und nach nehmen die Ringe Form an. Zwei sind fertig.

DSC09155
Je kleiner die Ringe werden, desto enger werden auch die Kurven, man kann sich also nicht drauf verlassen, dass man den Dreh jetzt raus hat 🙂

DSC09157
Markus lässt mich in Ruhe sägen, macht ab und zu ein paar Fotos und setzt die Ringe, die ich ihm liefere, schon mal zusammen.

DSC09159
Die Schnitte der Säge sind sehr fein, aber durch die Verwendung von Sperrholz entstehen doch einige Späne an den Kanten, die später noch abgeschliffen werden müssen.

Die Sägerei geht endlich dem Ende entgegen. Hier bin ich schon bei der drittletzten Runde und die Runden werden ja auch immer kürzer. Das kleine Metallrohr, das auf das Sägeblatt zeigt, ist übrigens ein kleines Gebläse, das den feinen Sägestaub, der produziert wird, sofort von der Sägelinie wegpustet. So hat man immer freie Sicht.

DSC09163
Das Körbchen auf dem Tisch nimmt derweil immer mehr Form an. Man sieht hier schon, wie es später zusammengesetzt wird, nämlich immer schön versetzt.

DSC09165
Ich bin inzwischen bei der letzten Runde angekommen.

DSC09171
Und die ist endlich auch fertig. Jetzt muss das Körbchen noch fertiggestellt werden.

DSC09174 DSC09175
Als erstes entferne ich nun das aufgeklebte Papier, was an den schmalen Ringen ganz gut mit einem Cuttermesser funktioniert. Am Boden aber muss ich das Papier von Hand wegschleifen, was ganz schön viel Arbeit bedeutet.

Und das Schleifen hat erst mal kein Ende. Alle Kanten müssen entgratet werden. Außerdem habe ich doch einige Ecken und Kanten reingesägt, es ist schließlich ein Übungsstück. Die Bohrlöcher kann ich leider nicht komplett wegfeilen, die sind anschließend noch minimal zu sehen. Fertig gefeilt kann das Körbchen nun zusammengesetzt werden.

DSC09178
Ich versuche es zuerst mit Sekundenkleber, aber ganz ehrlich, ich bin zu langsam dafür. Darum greife ich doch wieder auf Holzleim zurück. Ich verwende die Express-Version von Ponal, die nach 5 Minuten schon eine starke Festigkeit aufweist.

DSC09179
Schön versetzt und möglichst gleichmäßig versuche ich, das Körbchen zusammenzukleben. Bei jedem Klebevorgang – ich mache jede Runde einzeln – ist genügend Druck auszuüben, ohne dass es verrutscht, damit das Körbchen stabil zusammenhält. Eine Erfahrung, die ich immer wieder mache: das Leimen gehört zu den schwierigsten Angelegenheiten beim Holzarbeiten.

DSC09181 DSC09182
Auf dem folgenden Bild sieht man noch mal sehr schön, wo ich die Klebepunkte gesetzt habe. Der Hammer ist übrigens, zusammen mit dem dicken Eichenbrett, mein Gewicht, mit dem ich das Körbchen beschwere, damit der Leim gut anzieht.

DSC09185
Nach genügend Trockenzeit geht es dann ins Haus. Das Körbchen ist komplett fertig.

DSC09202 DSC09204
Ich entscheide mich daür, es noch mit Bienenwachs einzureiben, was ihm einen sanften Glanz und einen feinen Duft verleiht.

Ich finde mein Übungsstück einfach bezaubernd. Die vielen Fehler, die ich beim Sägen gemacht habe, fallen gar nicht mehr so stark auf, man sieht sie kaum noch. Das Körbchen ist fein und filigran und das Muster des Sperrholzes, das man von der Seite sieht, gefällt mir ebenfalls sehr gut. Ich finde, das Holz war eine gute Wahl für dieses Stück. Dadurch, dass die Breite der Ringe ungefähr der Höhe der einzelnen Schichten entspricht, ist das Körbchen insgesamt sehr harmonisch.

DSC09206 DSC09208

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.