Okras Werkstatt

Döschen “Kaffeetasse”

Aus dem Buch “Creative Wooden Boxes from the Scroll Saw” habe ich schon einige schöne Döschen nachgearbeitet und – auch wenn es dieses Mal lange gedauert hat – am Wochenende habe ich endlich mal wieder eines dieser kleinen Projekte fertigstellen können. Ein Döschen in Form einer Kaffeetasse, der Deckel bildet den Kaffee und am Dampf den heißen Kaffees kann man diesen Deckel abnehmen – so nüchtern beschrieben klingt es gar nicht so spannend, aber es war ein tolles Projekt, bei dem ich viel gelernt habe und bei dem ich neue Werkzeuge eingesetzt haben, die zum Erfolg dieses Projektes maßgebend beigetragen haben.

Aber gehen wir mal ganz weit zurück, mitten in den Sommer, der Frühjahrsurlaub ist gerade rum und ich suche mir das Holz für dieses Projekt aus. Meine Wahl fiel auf einen dicken Klotz Padouk, ein leuhtend rot-oranges afrikanisches Holz, von dem ich mir mal zwei Stücke geleistet hatte. Von diesem Block habe ich mir eine 19mm starke Scheibe auf der Bandsäge abgetrennt.


Da meine Tasse oben einen Schmuckrand haben soll, benötige ich außerdem noch eine dünnere Scheibe (6mm), die ich mit dem Holz vom Schmuckrand zusammenleimen werde. Und schlussendlich benötigt eine Tasse natürlich auch eine Untertasse – noch mal 6mm vom Block abgeschnitten. Das Sägen geht leicht von der Hand, denn das Holz ist nicht so sehr hart und es produziert einen ganz feinen roten Staub, ähnlich wie Aromatic Red Cedar.

Der Schmuckrand soll aus Purple Heart bestehen und genzt sich durch zwei helle Schichten Furnier vom Padouk ab. Ich leime also als erstes ein dünnes Stück Padouk, eine Scheibe helles Furnier und das Purple Heart zusammen. So soll es aussehen.


Also presse ich die verleimten Holzschichten mit genügend Klemmen fest aufeinander. Ich habe noch nie Furnier benutzt, bin also gespannt, wie die Wirkung ist und auch, wie ich es möglichst glatt verleimen kann. Das sind also die Einzelteile.


Und zusammengepresst.


Ich lasse das Holz ein paar Stunden trocknen – sicher ist sicher. Dann befreie ich es aus den Klemmen. Da mir das dünne Stück Purple Heart durchgebrochen ist, nehme ich ein dickes Stück zum Leimen und schneide es hinterher dünner.


Die Kante mit dem Furnier drin wirkt sehr schön, wie ich finde.


Ich zeichne mir eine Linie auf das Purple Heart und säge daran entlang.


Um die Oberfläche zu glätten, schiebe ich das Stück noch durch den Hobel. Dann kann ich die zweite Schicht Furnier aufleimen. Um dies möglichst gleichmäßig zu machen und nicht nur punktuellen Druck zu haben, lege ich auf das zu leimende Furnier noch eine Folie und darauf ein weiteres Stück Holz. Das zusätzliche Holz soll den Druck gleichmäßig verteilen und die Folie verhindern, dass das Helferholz durch herausquellenden Leim am Furnier haften bleibt. Und tatsächlich, diese Konstruktion hat funktioniert. Das Furnier hat sich ohne Wellen zu schlagen verleimen lassen.


Dann gehts jetzt an die Säge. An die Dekupiersäge, um genauer zu sein. Die Technik ist bei vielen Kästchen gleich, ich säge schräge Ringe aus einer Scheibe, die dann übereinander gesetzt werden. Angefangen habe ich mit der Untertasse. Sie besteht aus einer Bodenplatte und einem schmalen Ring, der aufgesetzt wird.


Bei diesem schrägen Sägen muss man – anders als bei senkrechtem Sägen – immer beachten, in welche Richtung man sägt. Wenn der Tisch, wie bei den meisten Sägen, nach links gekippt wird (bzw. wie bei meiner der Sägearm nach rechts gekippt wird, muss man, um die sich nach innen verjüngenden Ringe zu bekommen, mit dem Uhrzeigersinn sägen. 45° sind eingestellt, das ist das schrägste, was ich überhaupt sägen kann. Zum Glück ist das Stück mit 6mm ziemlich dünn, je dicker das Holz, desto schwieriger ist das Sägen bei derart schrägen Winkeln. Es geht zuerst an der Außenkante entlang.


Der erste Schnitt ist fertig. Das Padouk lässt sich – sofern sich das jetzt schon sagen lässt – gut sägen. Bei dem feinen Staub, den es produziert (ich habe keine Absaugung an der Säge) ist eine Atemschutzmaske Pflicht.


Damit die Untertasse einen schönen Rand bekommt, wird auch hier ein schmaler Ring ausgeschnitten und auf das Reststück aufgeleimt. Für den Ring benötige ich ein kleines Loch, um ihn im ganzen schneiden zu können, ohne ihn an einer Stelle durchtrennen zu müssen. Das Loch muss natürlich im gleichen Winkel gebohrt werden, in dem ich auch den Ring sägen werde, 45° also. So passt das Blatt dann perfekt in das Loch. Auch hier wieder im Uhrzeigersinn sägen.


Der schräge Ring ist jetzt fertig ausgesägt und der kleine Teller kann zusammengesetzt werden.


Zuvor säge ich aus dem restlichen Stück aber noch den Henkel aus. Dazu stelle ich den Sägearm wieder senkrecht.


Bevor ich wirklich an die Tasse gehe, stelle ich die Untertasse fertig. Nachdem ich das aufgeklebte Muster abgezogen und den Innenrand etwas geglättet habe, um unter anderem die Spuren vom Eingangsloch zu entfernen, leime ich die beiden Teile zusammen. Ich habe mir dafür eine eigene Presse gebastelt, mit der ich auf diese kleinen Teile einen gleichmäßigen Druck aufbauen kann, was für nahtlose Klebestellen sorgt.


Die Presse besteht aus zwei dicken Multiplexplatten, in die ich jeweils 8 Löcher reingebohrt habe. Darin habe ich mit Unterlegscheiben und Muttern befestigt 8 Gewindestäbe reingesetzt. Die obere Multiplexplatte wird dann aufgelegt, die Gewindestäbe durchgesteckt und dann kann man mit Flügelmuttern die obere Platte ganz fest anziehen, so dass der Druck auf das zu leimende Objekt gleichmäßig ausgeübt wird.


Die Untertasse trocknet und ich kann mich nun um die Tasse kümmern. Das zusammengeleimte Stück mit dem Purple Heart und dem Furnier ist der obere Ring der Tasse, ich arbeite von oben nach unten.


15° sind auf der Säge eingestellt und ich säge die Außenkante. Natürlich habe ich mir wie gewohnt das Muster auf das Holz aufgeklebt und mit Paketklebeband noch mal beklebt. Wichtig ist natürlich, dass das Padouk oben liegt. Und ich säge wieder mit dem Uhrzeigersinn. Dann gibt es, wie bei der Untertasse, ein kleines Startloch für das Sägeblatt, um wieder einen Ring aussägen zu können. Dabei orientiere ich mich wieder an der Neigung des Sägeblattes, um den Winkel des Startlochs zu bestimmen. Auch die Innenseite des Rings wird bei 15° gesägt.


Nachdem der Ring fertiggestellt ist, glätte ich die Innenseite, denn der Ring ist nun Referenz für alle nachfolgenden Ringe. Außerdem benötige ich die genaue Größe später auch für den Deckel, darum zeichne ich ihn mir auf Papier auf.


Jetzt kommt der Rest der Tasse dran. Ich zeichne die Außenkante auf das dickere Stück Padouk auf, bestimme den Mittelpunkt des Kreises und zeichne mit dem Zirkel einen Kreis, der im Durchmesser rund 19mm kleiner ist. Der Ring, den ich ausschneide, hat also eine Kantendicke von ca. 1cm. Ein Teil davon wird bedeckt von dem oberen Ring, dann ist aber noch ein Stückchen über. Das ist das Stück, auf dem der Deckel am Ende aufliegen wird. Beim Zeichnen der Ringe achte ich schon darauf, dass die Maserung beim oberen Ring und dem dickeren Stück für den Rest der Tasse in die gleiche Richtung zeigen.


Jetzt wird wieder gesägt. Wie immer zuerst die Außenkante, 28° Winkel. Innenkante ebenfalls 28°. Mit dem entstandenen Ring Innenkante zeichne ich wieder einen Ring auf das Reststück, setze die Bohrmaschine im 35°-Winkel an, bohre ein Startloch und säge mit 35° Winkel den zweiten Ring aus. Das kleine Reststück bildet den Boden der Tasse. Dass die Ringe nicht im gleichen Winkel gesägt werden, kommt am Ende der Gesamtoptik zugute. Es gibt keine grade Kante schräg nach oben sondern eine schöne feine Rundung, kaum bemerkbar, aber für das Gesamtbild einfach schöner.


Den oberen bunten Ring und die beiden dicken kleinen werden nun zusammengeleimt. Ich achte hier darauf, die Maserung wieder in die gleiche Richtung zeigt, das gibt am Ende ein harmonischeres Gesamtbild. Auch dafür nutze ich wieder meine selbstgebaute Presse.


Und jetzt muss ich einen großen Sprung nach vorn machen – denn von der aufwendigen Arbeit, die Innenseite der Tasse zu schleifen, gibt es keine Bilder. Lange hab ich die Tasse liegen lassen, weil ich mich nicht dazu bewegen konnte, von Hand hier tätig zu werden. Markus hatte irgendwann wohl Mitleid mit mir. Nachdem ich monatelang im Internet nach passenden Schleifkörpern gesucht hatte, hat er mir das Kirjes Schleifsystem geschenkt, das aus einem Motorblock mit fester sowie beweglicher Welle besteht und – das beste daran – aufpumpbaren runden Schleifköpfen. Ich verlinke es hier mal: Kirjes Schleifsystem bei Dictum Damit kann man Innenseiten, die rund sind, natürlich perfekt schleifen.

Und dann den Boden aufleimen, mit meiner Presse natürlich wieder 🙂 Wie ich schon schrieb, leider habe ich von der ganzen Prozedur keine Fotos gemacht.

Der aufgeleimte Boden ist mir deutlich zu dick, die Standfläche zu klein – die Bandsäge kommt wieder zum Einsatz. Am Längsanschlag entlang schneide ich einfach ein kleines Stück ab.


Wie man sieht, sind an der Außenseite dicke Kanten, die zu glätten sind. Das mache ich mit dem Tellerschleifer, der mir hier unschätzbare Dienste leistet. Ich kann auch am Tellerschleifer den Tisch in unterschiedlichen Winkeln einstellen und so arbeite ich mich vom größten Winkel ganz unten bis nach oben vor. Es ist gar nicht so einfach, die Tasse gleichmäßig rund zu schleifen, aber es ist gut gelungen.


Zwischendurch habe ich auch noch die Außenseite der Untertasse am Tellerschleifer geglättet. Von Hand runde ich die obere Kante flach ab. Wie man sieht, habe ich auch hier beim Leimen darauf geachtet, dass die Maserung fortlaufend ist.


Nun kann ich den Deckel angehen – der besteht, weil es ja eine Kaffeetasse sein soll, aus Walnuss, die perfekte Kaffee-Farbe. Ich säge mir ein dünnes Brett auf der Bandsäge zurecht und schleife es glatt.


Jetzt kommt das lange aufgehobene Blatt mit dem aufgemalten Kreis zur Anwendung. Ich hatte die Innenkante des unteren Teil des Rings aufgemalt. Dies ist also die Größe der Unterseite des Deckels. Da die Oberseite nach oben größer werden muss, muss ich also im gleichen Winkel (15°) aber entgegen dem Uhrzeigersinn sägen, damit oben der Durchmesser etwas größer wird. Noch ein bisschen die Außenseite glätten – dann passt der Deckel in die Tasse und wird von dem kleinen Absatz gehalten.


Aus meiner Tasse wird natürlich nur heißer Kaffee getrunken – der Dampf steigt auf. Den säge ich aus einem hellen Stück Birnbaum, 13mm stark. Zudem ist er ein guter Griff, um den Deckel anzuheben.


Hier seht ihr die feste Welle des Kirjes Schleifsystems mit einem aufblasbaren geraden Schleifkörper. Ich nutze es, um den oberen Teil des Dampfes etwas auszudünnen.


Und mit dem Dremel runde ich die ganzen harten Kanten schön ab.


Mit dem Dremel habe ich auch den Griff etwas abgerundet – dieser wird nun an die Tasse geklebt.


Den Dampf habe ich mittig auf den Deckel geklebt, und da alles schon schön glatt geschliffen ist, kommt nun nur noch das Finish. Ich entscheide mich für Schellack, das man per Pinsel auftragen kann. Die erste Schicht ist noch unspektakulär und nimmt hauptsächlich den Staub weg, weil ich hier eine stärkere Verdünnung mit Tuch aufgetragen habe.


Dann aber wird es glänzend.


Zum Trocknen hänge ich die Tasse am Henkel auf und streiche diesen erst ganz zum Schluss ein.


Ich trage so lange Schellack auf, bis mir das Ergebnis gut gefällt. Die Trocknungszeit ist recht gering.


Im Moment steht die fertige Tasse bei mir im Regal – aber sie ist ein Geschenk für einen lieben Kollegen 🙂


Bei Tageslicht kommt die wunderschöne Farbe des Holzes allerdings erst so richtig zur Geltung.

3 Kommentare

  1. Jürgen Klein

    Hallo Kerstin, wow unglaublich was du da gezaubert hast! Ich habe mich riesig darüber gefreut, dass das “Döschen” nun meinen Schreibtisch schmückt. Toll auch wie du das hier auch im Detail beschrieben hast. PS: hab ich mir gleich ausgedruckt und hebe ich mir als “Unikatzertifikat” auf.
    Nochmals vielen Dank!

  2. Marco Pößnecker

    Guten Tag
    Ist es möglich das sie mir vielleicht einige Vorlagen zukommen lassen??

    MfG Marco

    1. Kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Marco,

      leider kann ich aus Urheberrechtsgründen aus diesem Buch keine Vorlagen verschicken. Ich kann aber garantieren, dass es sich lohnt, das Buch zu kaufen.

      https://www.amazon.de/Creative-Wooden-Boxes-Scroll-Easy/dp/156523541X/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1521308427&sr=8-3&keywords=wooden+boxes+scroll+saw

      Viele Grüße
      Kerstin

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